"Benedictine Banter" und die Suche nach Identität (& eine Jause am Berg)
Wer sich von P. Wolfgang, Sr. Eva-Maria und fr. Benedikt durch das Stift St. Peter führen lässt, der entkommt damit nicht nur der drückenden Hitze der Salzburger Innenstadt in eine grüne Oase der Ruhe - nein, er bzw. sie erfährt auch einen einzigartigen Mix aus authentischen Lebens- und Berufungszeugnissen und Impulsen für den eigenen Alltag. Dieser Mix hat "Benedictine Banter" zu einem unserer Erfolgsformate bei den Salzburger Hochschulwochen gemacht. Und auch im heuer achten Jahr zeigte der große Zulauf wieder: das Ordensleben fasziniert, es ist gleichermaßen Anstoß und Eckstein.
Im Fokus der drei lockeren Erkundungen und Workshop-Runden in St. Peter Stand heuer das SHW-Thema Identität. Was bedeutet Identität und Stabilität aus monastischer Perspektive? Rund 40 Studierende folgten der Einladung und ließen sich auf das Wagnis des Austausches ein. Tatsächlich stellen Stabilität und Identität wichtige Werte der Ordensexistenz dar, führten P. Wolfgang, Sr. Eva-Maria und fr. Benedikt aus. Die Stabilität des Ortes, also die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft, zu einem Kloster, könne aber auch eine Herausforderung sein. Stets gehe es um ein Zusammenspiel von Momenten der Anpassung und der aktiven Mitgestaltung des Lebensumfeldes. Das bringe viel Dynamik in ein Ordensleben.
In Gesprächsrunden reflektierten die Studierenden diese spezielle Perspektive vor dem Hintergrund ihres eigenen Lebens. Anpassung und Annahme von Gegebenem - aus dem Mund der jungen Ordensleute klang dies plötzlich für viele TeilnehmerInnen nicht mehr so "bedrohlich" und negativ konnotiert wie zuvor. Im Gegenteil: Die Angst vor Entscheidungen kennen viele - ebenso die Angst, Dinge zu verpassen. "Benedictine Banter" zeigte ihnen: Wer den Mut zu Entscheidungen aufbringt, dem öffnen sich neue Freiheiten und Möglichkeiten. "Stabilität bedeutet nicht Unbeweglichkeit", brachte P. Wolfgang das auf den Punkt. "Um zu bleiben, muss man sich ständig bewegen."
Drei Annäherungen an Identität aus monastischer Sicht
Die erste Workshop-Einheit nahm äußere Zeichen von Identität in den Blick. Ausgangspunkt war das Sprichwort „Kleider machen Leute“ – und seine klösterliche Umkehrung: Der Habit allein macht noch keinen Mönch und keine Nonne. Im Gespräch wurde deutlich, wie Kleidung Zugehörigkeit sichtbar macht und Erwartungen erzeugt. Die Benediktsregel zeigt das konkret: Beim Eintritt ins Kloster wird die eigene Kleidung gegen die der Gemeinschaft getauscht. Entscheidend ist aber, ob der äußeren Form auch eine innere Haltung entspricht. So führte die Einheit von Schleier, Kapuze und den „Uniformen“ des Alltags zu der Frage: Was zeige ich nach außen – und werde ich dem auch gerecht?
Die zweite Einheit erzählte Identität als etwas, das besonders in Übergängen wächst. Wie ein Auslandsaufenthalt oder die Walz kann ein neues Umfeld vertraute Sicherheiten aufbrechen. Am Beispiel Benedikts – vom Studium in Rom über den Rückzug nach Subiaco bis zu Erfahrungen in Vicovaro – wurde sichtbar, dass Verunsicherung, Rückzug und Neubeginn Lernräume sein können. Das Noviziat erschien als geschützter Raum, in dem große Lebensfragen Platz bekommen und Begleitung möglich wird. Im Zentrum stand die Spannung zwischen dem eigenen Weg und der Zugehörigkeit zur Gemeinschaft: Wer bin ich, wenn sich meine Lebensumstände verändern, und was oder wer trägt mich dann?
Die dritte Einheit fragte, wie Identität zwischen Beständigkeit und Entwicklung entsteht. Das Kloster kann Stabilität bieten: feste Rhythmen, verlässliche Strukturen, eine Gemeinschaft. Doch diese Stabilität ist nicht nur Komfort, sondern auch Reibungsfläche. Gerade das Bleiben kann Entwicklung anstoßen, weil man den eigenen Mustern begegnet. Identität erschien deshalb weniger als fertiger Kern, den man nur entdecken muss, sondern als etwas, das durch Erfahrungen, Entscheidungen, Bindungen und Übung geformt wird. Die benediktinische "stabilitas" wurde als Treue zur Gemeinschaft verstanden – nicht als Stillstand, sondern als beständiges Werden im Austausch mit anderen.

Eine Orden(tliche) Jause vor atemberaubender Kulisse
Am Samstag warteten gleich drei Ordensgemeinschaften mit einem weiteren Highlight auf: Die Studierenden der SHW waren zu einer Jause auf die Terrasse des Kapuzinerklosters eingeladen.
Bei prächtigem Wetter und einer von Kapuzinern, den Benediktinern von St. Peter und dem Stift Nonnberg zusammengetragenenen Jause samt Erfrischungsgetränken konnten die Studierenden so noch einmal die vergangenen Tage Revue passieren lassen, sich austauschen, Kontakte knüpfen oder einfach die atemberaubende Aussicht über die Stadt genießen.
Ein Dankeschön für diese Initiative der Orden, die die SHW durch ihre Impulse und Gastfreundschaft bereichert haben!
Fotos "Benedictine Banter" & Kapuziner-Jause herunterladen
