"Wenn ich hier rausgehe, denke ich sicher: Oh Gott, was habe ich da gesagt"
Er ist zweifellos einer der bekanntesten deutschen Bühnenschauspieler, hat auf allen großen Bühnen gespielt und brilliert aktuell in der Uraufführung von Peter Handkes neuestem Stück "Schnee von gestern, Schnee von morgen" bei den Salzburger Festspielen: Der Schauspieler und Iffland-Ring-Träger Jens Harzer. Entsprechend fasziniert hing das Publikum beim Hochschulwochen-Format "meet the artist" an den Lippen des Künstlers, der sich den Fragen von Hochschulwochen-Obmann Martin Dürnberger und später auch jenen des Publikums stellte.
Der Schauspielerei und den Rollen begegne er stets mit großer Demut und dem Wissen darum, "nie mit ihnen fertig zu werden", räumte er ein. Mit geschwellter Brust vorne zu stehen und zu sagen: "Seht her, was ich kann...", das sei nicht "my cup of tea", so Harzer. Das Spielen bleibe ein Risiko und selbst bei langen Engagements bleibe es immer ein Reiz, Dinge leicht zu variieren und Gebrochenheit in die Figuren zu bringen. "Ich bin mir beim Spielen nie genug, die Figur ist immer größer als mein Ich als Schauspieler." Diesen "Idealismus" spüre er seit seiner Zeit in als Schüler bei Schultheater-Auffürhungen in sich - und er hoffe, ihn sich noch lange bewahren zu können.
Dass dies offenbar auch der große Peter Handke spürt, schilderte Harzer mit Blick auf die Proben zum aktuellen neuen Stück "Schnee von gestern, Schnee von morgen". Es sei für das gesamte Team mit großer Anspannung verbunden gewesen, als er bei der Generalprobe vorbeischaute. Beim anschließenden Essen präsentierte sich Handke jedoch "erkennbar beruhigt" über die Umsetzung seines Stoffes. "Und das hat uns gefreut, denn es war uns wichtig, dass er glücklich mit unserer Inszenierung war."
Nicht ganz so selbstsicher zeigte sich Harzer allerdings im Blick auf seine heutige "Performance" bei den Hochschulwochen und seine Antworten auf die Fragen aus dem Publikum: "Wenn ich hier rausgehe, denke ich sicher: Oh Gott, was habe ich da gesagt ..."
Text & Fotos: Dr. Henning Klingen
