
Prof. Dr. Andreas Reckwitz
Berlin
Vorlesung
Was wir erben
Details
Die Moderne ist eine im Kern zukunftsorientierte Gesellschaft. Mit der Krise der Zukunftsorientierung in der Spätmoderne erlangt das Erbe der Vergangenheit eine neue Bedeutung und es kristallisiert sich ein neues Erbenbewusstsein aus: Wir können nicht nicht erben. Aber was erben wir? Die beiden Vorlesungen von Andreas Reckwitz stecken das Gelände spätmoderner Erbschaftsverhältnisse ab, die sich zwischen der Übertragung von Lasten und von Ressourcen bewegen.
Die erste Vorlesung erläutert die grundsätzliche Bedeutung von Erbverhältnissen für das spätmoderne Selbstverständnis sowie jene Formen des Erbes, die gegenwärtig für Individuen und ihre Familien relevant sind: materielles Vermögen, Sozialisationserbe, emotionales Erbe, Ahnenforschung.
Die zweite Vorlesung behandelt die Formen gesellschaftlichen Erbes, welche die Spätmoderne umtreiben: das historische Gewalterbe und das ökologische Erbe des Anthropozäns auf der eine Seite, das kulturelle Erbe (cultural heritage) und das institutionelle Fortschrittserbe auf der anderen Seite. Es stellt sich am Ende heraus, dass die scheinbar vergangenheitsbezogene Frage nach dem Erbe ihren eigenen Zukunftsbezug enthält: Was werden und wollen wir künftigen Generationen vererben?
Biografische Notizen
- 1970 geboren in Witten
- 1989-1995 Studium der Soziologie, Politikwissenschaft und Philosophie an den Universitäten Bonn, Hamburg und Cambridge
- 1999 Promotion zum Doktor der Philosophie im Fach Soziologie an der Universität Hamburg
- 2006-2010 Professor für Allgemeine Soziologie und Kultursoziologie an der Universität Konstanz
- 2010-2020 Professor für Vergleichende Kultursoziologie an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
- 2017 Auszeichnung des Buches "Die Gesellschaft der Singularitäten" mit dem Bayerischen Buchpreis
- 2019 Auszeichnung mit dem Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft
- seit 2020 Professor für Allgemeine Soziologie und Kultursoziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin
- 2022 Fellow im Thomas-Mann-House, Los Angeles
- 2025 Auszeichnung des Buches „Verlust" mit dem Preis „Das politische Buch“ der Friedrich-Ebert-Stiftung
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