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Salzburger Hochschulwoche 2016

Wer nach Leidenschaften fragt, rührt an Ambivalenzen menschlicher Existenz. Kein Mensch, so Kants nüchternes Urteil, kann sich Leidenschaft wünschen – denn wer wollte „sich in Ketten legen lassen, wenn er frei sein kann?" Und doch mag man zugleich fragen: Was wäre schlimmer als leidenschaftsloses Leben, ein Dasein ohne Passionen?

Leidenschaften erscheinen so als Vexierbilder: So naturwüchsig sie anmuten und so unvermittelt sie uns mitreißen, sind sie doch zutiefst soziale Größen – kulturell geformt, ökonomisch verwertbar, politisch nutzbar. Sie unterlaufen Kosten-Nutzen-Kalküle und entzaubern die vermeintliche Souveränität des Subjekts – und spielen doch zu, was Subjekte in ihrem Planen und Berechnen so oft suchen: die Erfahrung intensiven Lebens. Wer sich ihnen blindlings ausliefert, scheint freilich verloren – denn Leidenschaften haben zugleich ein destruktives Moment, wirken verzehrend, geraten zu Obsessionen. Die Literatur ist voll davon und arrangiert die Dialektik vitalisierender und zerstörerischer Momente immer neu. Auch theologisch irritiert der Topos: Im Zentrum des Glaubens steht Gottes Leidenschaft für den Menschen – aber ihre Maßlosigkeit irritiert bleibend, ihre Konsequenz ist die Passion.

Die Salzburger Hochschulwochen stellen sich auch im 85. Jahr ihres Bestehens leidenschaftlich den großen Fragen. Fragen Sie mit uns nach den Leidenschaften und ihren politischen, künstlerischen, religiösen, literarischen und anderen Signifikanzen!